Auseinandersetzungen und Interessenkonflikte

Die Arbeitswelt als Schauplatz von gesellschaftlichen Auseinandersetzungen und Widersprüchen…

  • Diversifizierung und Segregation
  • Geschlechterverhältnisse
  • Verteilungskonflikte (Lohn, Arbeitszeit etc.)
  • Trennung von Hand- und Kopfarbeit
  • Macht- und Herrschaftsverhältnisse
  • Interessenkonflikte
  • Globalisierungsprozesse
  • Naturverhältnisse/Technologien

 

… und die kollektive Interessenvertretung der ArbeitnehmerInnen

Ausgehend von den Widersprüchen der Arbeitswelt und den Auseinandersetzungen um Arbeit lassen sich unterschiedliche Interessenlagen identifizieren, die die Situation und Rahmenbedingungen des Arbeitens maßgeblich bestimmen. Die herkömmliche Organisation des Wirtschaftens organisiert Lohnarbeit zum überwiegenden Teil über Betriebe. In der auf diese Weise aufgebauten Arbeitswelt – wie auch am Arbeitsmarkt – stehen sich ArbeitgeberInnen und ArbeitnehmerInnen gegenüber. In Österreich waren im Jahr 2012 4.183.800 Personen erwerbstätig. Darunter waren 556.500 „Selbstständige“ (ArbeitgeberInnen) und 3.627.300 unselbstständig erwerbstätige Personen (ArbeitnehmerInnen).

Ausgehend von den grundsätzlich unterschiedlichen Interessenlagen widmen wir uns der Seite auf der sich die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung befindet, den Interessen der ArbeitnehmerInnen. Dass es heute so etwas wie ein Arbeitsrecht (Kernstück in Österreich ist das Arbeitsverfassungsgesetz) gibt, ist das Ergebnis eines über Jahrhunderte geführten Kampfes von Lohnabhängigen, die die Grundlagen ihrer Existenz, also die Situation ihres Arbeitens, verbessern mussten.

„Der technische Fortschritt und die Industrialisierung Österreichs machten den lesenden und schreibenden Arbeiter aber auch für Unternehmer notwendig: Das Manometer nützte dem Fabrikanten wenig, wenn es der Arbeiter nicht ablesen konnte! Trotzdem verwehrten das Besitzbürgertum und seine politischen Vertreter zunächst aus Furcht vor der Organisation der Arbeiter die Gründung von Arbeiterbildungsvereinen. Auf die Dauer ließ sich das Verbot von Arbeitervereinen und Gewerkschaften jedoch nicht aufrechterhalten.“ (Willy Krula: Die Geschichte der österreichischen Gewerkschaftsbewegung von den Anfängen bis 1945″, Wien 2007: VÖGB/Arbeiterkammer, Seite 15.)

„Die lange Arbeitszeit, die Hungerlöhne und die harten Arbeitsbedingungen machten Gewerkschaftsgründungen für die Arbeiter lebensnotwendig. Die Arbeiterbildungsvereine begannen daher, vielerorts Fachsektionen zu errichten. Es gab oft in den Arbeiterbildungsvereinen versteckte gewerkschaftliche Beratungen und Entschlüsse; öffentlich konnten sie sich aber nicht als Gewerkschaften deklarieren. Immerhin konnten diese Fachsektionen die vielerorts aufflammenden Streiks organisieren und koordinieren.“ (Ebenda, Seite 18.)

Das Bild der heute bestehende Organisation der kollektiven Interessenvertretung der ArbeitnehmerInnen erscheint bisweilen als ein gänzlich anderes. Was mit versteckter Organisierung und geheim geplanten Aktionen begonnen hat, war nicht zuletzt aufgrund der Masse der Betroffenen, die sich engagierten, letztlich so erfolgreich, dass eine komplexe Organisation von Gewerkschaften und Arbeiterkammer geschaffen werden konnte, zusätzlich unter anderem auch noch begleitet von der Schaffung eines selbstverwalteten Systems der Sozialversicherung. Auch diese etablierten Organisationen sind in ihren Wurzeln Ausdruck des Kampfes um menschenwürdige Arbeitsbedingungen und der ständigen Austragung des Interessenkonflikts zwischen ArbeitgeberInnen und ArbeitnehmerInnen auch heute noch. Ein einleitender grober Überblick über den Aufbau der kollektiven Interessenvertretung der ArbeitnehmerInnen in Österreich (Online-Präsentation) widmet sich wiederum den drei Ebenen Betrieb (Betriebsrat), Branche (Kollektivvertrag), Gesellschaft (Gewerkschaft).

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